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Industriesemester von Prof. Dr. Carsten Röh bei der EFS

Insgesamt 6 Wochen wurden Anfang des Jahres einige unserer Kollegen von Dr. Carsten Röh begleitet um ihm im Rahmen seiner Hospitation einen praktischen Einblick in die EFS zu geben.

 

Carsten ist seit 2009 Professor für Automobilwirtschaft an der Hochschule Landshut. Er lehrte Beschaffungsthemen an den Universitäten Ingolstadt/Eichstätt und Bamberg sowie international an der FH Joanneum in Kapfenberg (A) und er war Gastprofessor an der Shanghai Normal Universität.

 

Sein Auftrag bei der EFS war es im Rahmen des Projekts Lenkroboter durch Workshops mit den EFS-Mitarbeitern ein mögliches Geschäftsmodell zu entwickeln. Zudem war er in weiteren Bereichen wie dem Unternehmenscontrolling und Projektcontrolling, dem Einkauf sowie dem Technologiecenter und in einem klassischen Gewerk, der Systemintegration Lenkung, tagesbegleitend unterwegs und hat dort einen Einblick in die Prozesse bekommen.

 

Wir haben Carsten ein paar Fragen gestellt, um herauszufinden wie er die Zeit bei der EFS empfunden hat.Welche Erwartungen hattest du an deine Zeit bei der EFS? Wurden diese erfüllt? Im Vorfeld eines mehrwöchigen Zeitabschnitts bei einem Entwicklungsdienstleister wie EFS haben mich Fragen und damit auch Erwartungen in folgenden Feldern beschäftigt:

 

Aktuelle Themengebiete: Was sind die großen Themenstränge, die die Branche und im Speziellen einzelne Fachgebiete in der F&E ausmachen? Mit welchem Fokus werden diese allgemein und bei EFS diskutiert und mit welcher Reife werden sie bereits bearbeitet?

Hier geht es schlicht um meinen persönlichen Abgleich mit dem, was der allgemeine Erwartungs- und Diskussionsstand zu Technikthemen in der Branche ist (bspw. Alternative Antriebe, Assistenzfunktionen in Richtung des Autonomen Fahrens, Vernetzung) und was praktische, technische und kaufmännische Herausforderungen auf Betriebs- bzw. Arbeitsebene dabei sind. Für einen Hochschullehrer ist dieser permanente Abgleich sehr wichtig – und zwar auf genau dieser operativen Arbeitsebene – weil sonst schnell aufgrund bspw. optimistischer Prämissen Ansätze „ins Kraut schießen“ können, die kaum realistische Aussicht haben das Vorentwicklungsstadium zu überwinden. Wenn man dabei so wie ich die Chance hat, mehrere Wochen „live und auf Augenhöhe dabei“ sein zu können, bekommt man durch aktives Mitwirken bspw. am Themengebiet „Vermarktungskonzept Lenkroboter“ und durch passives Tun bspw. durch Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen viele Einzeleinblicke, die sich bei mir im Kopf zu Zusammenhängen ergänzen und meinen Blick auf und in die Branche in technischen und kaufmännischen Themengebieten sehr gut in die Breite erweitert und in Einzelfällen auch in die Tiefe erhellt haben. Hieraus konkretisiere und erweitere ich meine Bewertungsmaßstäbe, die für meinen fachlichen Umgang mit bestimmten Themen in der Lehre aber auch in der angewandten Forschung unerlässlich sind. Meine Erwartungen wurden im Rahmen der thematischen Arbeit erfüllt und teilweise übertroffen. Ich hoffe im Gegenzug, dass auch mein kurzes Wirken thematische Impulse setzen konnte.

 

Angewandte Methodik: Wie werden die fachlichen Themenstränge konkret, d.h. mit welchem Organisations- und Methodenansatz bearbeitet? Welche aktuell diskutierten Methoden eignen sich in welchem Kontext, welche nicht?

Neben den oben angerissenen technischen Stoßrichtungen gibt es auch auf methodischer Ebene teils neu aufkommende teils aus anderen Kontexten entlehnte Ansätze, die zur Verbesserung des Ressourceneinsatzes bzw. zur Beschleunigung von Abläufen zum Einsatz kommen. Ich denke dabei an den strukturellen Aufbau von Unternehmen, die Orientierung an Prozess- oder Projektmodellen und die Art und Weise der Zusammenarbeit. Stand der Diskussion sind beispielsweise Werkverträge, Orientierung am V-Modell sowie Formen von Agilität u.a. durch Start-Up-Aktivitäten oder im Projektmanagement. Ob diese nun tatsächlich praxistauglich sind und was ggf. die „Risiken und Nebenwirkungen“ ausmachen ist meines Erachtens weder im „stillen Kämmerchen“ noch durch Einzelbefunde aus wissenschaftlichen Abschlussarbeiten oder beratender Einzelleistungen bewertbar, sondern nur durch „teilnehmende Beobachtung“ in der Praxis. Hier war es für mich hochinteressant aktuell diskutierte Ansätze zur Geschäftsmodellentwicklung konkret mit den Kolleginnen und Kollegen im Kontext Lenkroboter aktiv anzugehen und anzuwenden. Weiterhin habe ich auch im methodischen Kontext viele passive Beobachtungen machen können, ausgehend von der banalen Frage, wo die Festnetz-Telefone am Arbeitsplatz stehen bis hin zu sehr detaillierten Aspekten zum V-Modell des Entwicklungsprozesses oder sehr detaillierten methodischen Fragestellungen des Berichtswesens. Auch hier wurden meine Erwartungen voll und ganz erfüllt.

 

Persönlicher Umgang und persönliche Kontakte: Welche Menschen werde ich im Betrieb kennenlernen, wie würde ich mich mit denen austauschen, welche Qualität würde der Austausch haben – kurz: würden mich die Kolleginnen und Kollegen als Hochschulangehörigen so „mitnehmen“, dass ich mich gut aufgehoben fühle und aus den aufgebauten Kontakten konkrete Anknüpfungspunkte für gemeinsame Interessenfelder aufbauen und vertiefen kann?

Besonders hat mich dabei gefreut und überrascht, auch auf Absolventen der Hochschule Landshut zu stoßen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Dabei ist es für mich in der Rolle als Hochschullehrer besonders zu sehen, wie gut sich die Herren im Umfeld der EFS entwickelt haben und es hier zu einer Art Rollentausch kam:  der Prof. kommt fortbildungstechnisch in den eigenen Betrieb. Wir haben in mehreren Feldern mögliche Ansatzpunkte entdecken können wie z.B. Formula Student, Brücken in die Hochschule für Projektarbeiten, Praktika, Abschlussarbeiten oder auch Fachvorträge im Kontext Ringvorlesungen. Ich bin überzeugt, dass auch künftig beide Seiten von diesem Austausch profitieren werden.

 

Wie hast du unsere Unternehmenskultur und den „EFS-Spirit“ wahrgenommen?

Unternehmenskulturen sind vielschichtig. Ganz oben (und damit sichtbar) sind die Artefakte einer Kultur (Gebäude, Arbeitsplätze, direkt erlebbare Verhaltensweisen). Darunter liegt ein Wertesystem, dass sich nicht unbedingt sofort erschließen lässt und wieder darunter Grundannahmen, die teilweise die Unternehmensangehörigen selbst nicht benennen können. Alle drei Ebenen sind aufwärts-kompatibel (bzw. sollten es sein), d.h. das, was sichtbar ist lässt auf eine bestimmte Wertestruktur schließen. Dass dem so ist, konnte ich von Anfang an erfahren: Am ersten Tag hatte ich gleich mehrere sehr konkrete Berührungspunkte mit den sichtbaren Dingen und dem Wertesystem: ich erhielt von Anja Drenkelfuß die „Landkarte“ mit den EFS-Werten und wurde umgehend in den Duz-Sprech eingebunden. Das ist für jemanden als Vertreter meiner „Generation“ und Position nicht selbstverständlich und da musste ich mich erst einmal dran gewöhnen. Besonders im Umgang mit ehemaligen Studenten. Ein weiterer erster Einblick auf ein wichtiges Ritual war die Runde in der proppevollen Kantine, bei der Stefan Ullmann zu den EFSlern sprach und teils sehr konkrete, aber die einzelnen Mitarbeiter umtreibende Fragestellungen beantwortete. Besonders in Erinnerung ist mir die Frage nach den ADERA-Fahrzeugen geblieben – was für mich ein eindeutiger Indikator für die hohe Produkt- und Technikaffinität der Mitarbeiter war und was sich durchgängig bestätigt hatte. Im weiteren Verlauf des Tages waren wir mit Paul Spannaus beim montäglichen Studenten-Konvent im Hörsaal und der angrenzenden Besprechungsfläche nebst voll bestückter Küchenzeile, bei der man offenbar nicht einmal die Spülmaschine ausräumen muss. Der ungezwungene Umgang, die sehr motivierte Einstellung zu den eigenen Themen und Aufgaben und die ausgesprochen gestaltungsorientierte Arbeitsweise zog sich die folgenden Wochen wie ein roter Faden durch. Davon konnte auch das mir anvertraute Themengebiet „Vermarktungskonzept Lenkroboter“ profitieren, denn hier haben alle Projektbeteiligten neben den eigenen Aufgaben sehr konstruktiv, ausdauernd und wirksam mitgearbeitet. Das hat mich sehr beeindruckt und ich hatte damit nicht gerechnet.

 

Wie lautet dein Fazit im Vergleich von Theorie in der Hochschullehre zur Praxis im Unternehmen?

An der Hochschule bin ich – außer an unserem Institut für Produktions- und Logistiksysteme in Dingolfing – praktisch „Einzelkämpfer“, den regelmäßig eine größere Gruppe junger Menschen erwartungsvoll ansieht und meist sogar zuhört. Weiterhin treffe ich dabei alleine die Entscheidung, was ich lese, was ich publiziere, zu welchen Konferenzen ich gehe bzw. welche Konferenzen ich organisiere, welche Themen ich praktisch angehe. Für „so einen“ ist es äußerst zielführend, sich hin und wieder „zu erden“ und dies in einem zu konstruktiven Umfeld zu tun wie bei der EFS. Ich bin dem Unternehmen und seinen Protagonisten sehr dankbar für die vielen Eindrücke und Impulse, stellvertretend danke ich Manuela Schröder, die sich auf das Experiment „Industriesemester“ eingelassen hat, Karl Wirges, der einen spannenden Durchlauf durch mehrere technische und kaufmännische Abteilungen angeschoben hat und Tobias Behn, bei dem ich hauptsächlich angedockt war und der mich mit der Aufgabe „Geschäftsmodell Lenkroboter“ betraut hat. Ich blicke gerne auf die Zeit zurück, freue mich auf die weitere Zusammenarbeit in einzelnen Themenfeldern und bin mir sicher, in spätestens 5 Jahren wieder in ein Industriesemester zu gehen.

Wir danken Carsten für seinen Input und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit ihm. Diese werden wir nun im Rahmen einer möglichen Hochschulkooperation weiterverfolgen. Auch ein regelmäßiger Austausch zwischen der Hochschule und der EFS, beispielsweise durch eine Gastredner-Reihe oder Lehrveranstaltung für EFS-Kollegen, ist angedacht.

 

 

 

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